Die Schlacht von Vezekény
Die Schlacht von Vezekény war eines der vielen Gefechte an der Türkengrenze, ohne allzu große Bedeutung für den Gesamtverlauf der Geschichte. In der Tradition der Familie Esterházy spielte sie aber eine sehr wichtige Rolle. In ihr fiel nicht nur der damalige Majoratsherr Ladislaus Esterházy, sondern auch drei weitere Familienangehörige. Von diesem Blutzoll im Türkenkampf leiteten die Esterházy einen Gutteil ihrer Identität als Vorkämpfer des Christentums und ihres Selbstbewusstseins ab. Neben zwei großen Gemälden mit der Darstellung der Schlacht und des Begräbnisses von Ladislaus in Tyrnau wurden auch die angebliche Rüstung des Palatins wie Reliquien aufbewahrt.
Seit dem Frieden von Zsitvatorok von 1606 herrschte Frieden zwischen dem Kaiser und dem Sultan. Dieser wurde 1618 in Komorn und 1625 in Gyarmat verlängert. Das bedeutete aber keineswegs, dass alle Kampfhandlungen im regionalen und lokalen Bereich eingestellt wurden. Die Grenzlinie war ja keineswegs strikt gezogen und so brachen immer wieder Kampfhandlungen aus, da wechselseitige Gebietsansprüche gestellt wurden und auch Steuern eingetrieben wurden. Plünderungszüge waren an der Tagesordnung und hatten die Plünderung der Grenzgebiete zur Folge. Das Vieh der Bevölkerung wurde weggetrieben, die Menschen gefangen genommen, um Lösegeld zu erpressen oder um sie als Sklaven zu verkaufen. Die Soldaten der Grenzfestungen erhielten ihren Sold oft nur unregelmäßig oder überhaupt nicht. Plünderung, Raub und Sklavenhandel wurden so auf beiden Seiten zu einer willkommenen Einnahmequelle. Zwar wurde nach jedem Übergriff beim ungarischen Palatin bzw. beim Pascha von Ofen protestiert, allerdings ohne Folgen.
Einer dieser Beutezüge sollte im Sommer 1652 erfolgen. Kara Mustapha Beg, der Befehlshaber der türkischen Festung Gran, ein bekannter Scharfmacher, der schon mehrere solcher Züge durchgeführt hatte, sammelte erneut Freiwillige aus den türkischen Festungen, an die 3000 Mann. Sie überschritten bei Párkány die Donau, umgingen die christlichen Festungen Neuhäusl und Neutra und plünderten das Neutra- Tal. Sie plünderten 11 Dörfer und Märkte und mehrere Güter der Forgách und Apponyi und erbeuteten 3000 Stück Vieh und 237 Gefangene. Der Gegenspieler des Beg und Oberkapitän von Neuhäusl, Graf Adam Forgách, der ebenfalls immer wieder ein offensives Vorgehen gegen die Türken forderte, alarmierte die Grenzfestungen und wies die Hauptleute an, sofort alle entbehrlichen Truppen zu schicken. Der Hilferuf erreichte auch Burg Schinatau (Sempte), wo sich mehrere Angehörige der Familie Esterházy als Gäste des Grafen Ladislaus aufhielten. Ladislaus brach mit 100 Mann nach Neuhäusl und von dort nach Verebély auf, wo sich auch seine Cousins Thomas, Kommandant von Lewenz, Franz, Kommandant von Gyarmat und Kaspar und Sigismund mit ihren Aufgeboten einfanden. Unterstützt wurde die ungarische Reiterei von einer Kompanie deutscher Musketiere und zwei Kompanien Kürassiere des Obersten Johann von Walther. Insgesamt bestand das christliche Truppenkontingent aus etwa 1200 Mann. Forgách ließ einen Sperrriegel gegen die zurückmarschierenden Türken aufbauen, um ihnen ihre Beute abzujagen.
Die ungarische Reiterei griff die Türken sofort an und sah sich plötzlich einer großen Übermacht gegenüber. Sie wurde in kleine Gruppen zersprengt. Ladislaus Esterházy geriet in ein sumpfiges Gebiet und wurde zusammen mit 45 seiner Leute erschlagen. Auch Franz, Thomas und Kaspar blieben auf dem Schlachtfeld. Einem Teil der Ungarn gelang die Flucht in die von den Musketieren vorsorglich errichtete Wagenburg, an der der türkische Angriff zerschellte, da das christliche Heer auch Kanonen zur Verfügung hatte. Ein Gegenangriff der Kürassiere schlug die Türken schließlich in die Flucht. 186 christliche Gefangene konnten befreit werden, "56 Gefangene und 72 Köpf mit sambt zwey Standarten" wurden erbeutet. Die Christen hatten 550, die Türken 800 Gefallene zu beklagen.
