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Im August 1921, als die Besetzung des Burgenlandes durch österreichische Gendarmerie und Zollwache bevorstand, wurden jenseits der Grenze auch   Volkswehreinheiten  (Vorläufer des Bundesheeres) stationiert. In Kirchschlag und Umgebung war das II. Bataillon des Infanterieregimentes 5 unter dem Kommando von Oberst Emil Sommer stationiert. Das Bataillon war am 1. September nach Kirchschlag verlegt worden. Eine Kompanie wurde nach Hochneukirchen und eine nach Ungerdorf verlegt.  Das Oberkommando hatte die 1. Wiener Brigade unter Oberstbrigadier Rudolf Vidossich in der Militärakademie in Wr. Neustadt

Nachdem die Gendarmerie aus dem Mittleren Burgenland zurückgedrängt worden war überschritten die Freischärler die Grenze und drangen auf österreichisches Gebiet vor.

Die Kolonne 6 der österreichischen Gendarmerie errichtete Posten in Deutsch Gerisdorf (80 Mann), Pilgersdorf (40 Mann), Lebenbrunn (25 Mann) und beim Mauthaus Steinbach (10 Mann), weitere Gendarmen waren in Unterrabnitz und Draßmarkt stationiert. Ihnen standen die Freischärler unter dem Kommando von Oberleutnant Arpad Taby, Träger des Militär-Maria-Theresien- Ordens, gegenüber. Am 4.August wurden die Freischärler nach Günseck und Langeck verlegt und mit Teilen der Hejjas-Freischärler verstärkt. Am Morgen des 5.September  griffen die Freischärler in der Stärke von 300 Mann die Gendarmerie der Kolonne 6 im Zöberntal an.  Bei Deutsch Gerisdorf fielen 17 zum Teil schwerverwundete Gendarmen und Zollwachebeamte den Freischärlern in die Hände. Der Rest zog sich nach Pilgersdorf und in weiterer Folge nach Kirchschlag zurück. Auch der Posten in Lebenbrunn wurde beschossen. Die Gendarmen zogen sich zum Ortseingang von Kirchschlag zurück.

Am 5. September 1921 wurde in Kirchschlag gemeldet, dass ein eine große Zahl von Freischärlern den Gendarmerieposten in Dt. Gerisdorf angegriffen habe. Daraufhin wurden zwei Maschinengewehrzüßge nach Lebenbrunn geschickt, der Niklasberg besetzt.Teile der 5. Kompanie sollten mit zwei Autos nach Pilgersdorf vorstoßen. Die zurückgehenden Gendarmen weigerten sich, deem militärischen Kommando zu unterstellen.Die 5. Kpmpanie ging längs der Günser Straße vor. Die Kämpfe zwischen Volkswehr und Freischärlern begannen am frühen Morgen des 5. September an der Grenze beim Cholerakreuz. Die Soldaten wurden von einer Radfahrergruppe der Freischärler beschossen.Als die Maschinengewehre der Österreicher wegen Überhitzung ausfielen stürmten die Freischärler. Es kam zu Nahkämpfen. Schließlich zog sich das Militär an den Ortsrand von Kirchschlag zurück, verfolgt von einem Teil der Freischärler. Anführer dieser Gruppe war Franz Karl Hanus, Student und Reserveoffizier aus Budapest. ER wurde durch seine eigene Handgranate getötet.

Die Gendarmen zogen sich bis zum Ortseingang von Kirchschlag zurück. Nachdem im Vormittag die ersten Verwundeten in Kirchschlag eingeliefert wurden und die Kämpfe bereits den Ort erreichten, flohen die Bewohner von Kirchschlag Hals über Kopf.

Der Anführer der Banditen (Freischärler), ein Student und Reserveoffizier aus Budapest, wurde schwer verletzt. Eine Handgrnate an seinem Gürtel explodierte. Er starb wenig später am Verbandsplatz der Österreicher. Die Freischärler zogen sich daraufhin aus dem Ort in einen Jungwald am Zöbernbach zurück, eine andere Gruppe, die sich im nahen Steinbruch verschanzt hatte, trat ebenfalls den Rückzug an. Gegen 13 Uhr war das Gefecht beendet.

An den Kämpfen waren etwa 270 Soldaten beteiligt. Die Volkswehr hatte zehn Gefallene und 17 Verwundete zu beklagen. Die Freischärler gingen mit großer Grausamkeit vor. Ein Soldat wurde nackt an einem Baum beim Cholerakreuz gehängt. Angeblich hatte man bei ihm kommunistisches Propagandamaterial gefunden-ein Sanitäter wurde während seines Einsatzes, als er einen Verwundeten verband, erstochen.Drei zunächst vermisste Soldaten wurden nachdem sie in verwundet in Gefangenschaft geraten waren, brutal ermordet. Auch ein Zivilist, Josef Schlögl aus Steinbach, wird während des Feuergefechts getäötet. Auf Seiten der Freischärler sind 6 Gefallene bekannt, drei davon stammten aus Kecskemet.

Beim Cholerakreuz unmittelbar an der Grenze wurde eine Gedenktafel angebracht: "Dies Kreuz war einst Zeuge blutiger Kämpfe. An jenem 5. September des Schicksalsjahres 1921 standen hier Soldaten des II. Bataillons I.R.5 in heldenhaftem Einsatz gegen ungarische Freischaren. Ihre Tapferkeit trug bei, dass Burgenland heute Österreich ist . . . "

 

 

 

 

 

 

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Literatur

Senekowitsch Martin: Emil Sommer. Ein Monarchist, der für die Republik kämpfte. IN: Burgenland schreibt Geschichte 1921 - 2021. WAB 168. Eisenstadt 2021

 

 
 
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