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Die Gemeinde Tobaj besteht aus folgenden Ortsteilen:

  • Deutsch Tschantschendorf -  Németcsencs - Nimška Čenča,  531Einwohner
  • Hasendorf im Burgenland -  Vasnyúlfalu - Zajčje Selo 97 Einwohner
  • Kroatisch Tschantschendorf – Horvátcsencs -  Hrvatska Čenča 105 Einwohner
  • Punitz - Pónic - Punić 296 Einwohner
  • Tobaj - Tobaj - Tobaj  291 Einwohner
  • Tudersdorf - Taródcsencs - Tudorica 68 Einwohner

Zur Gemeinde zählen auch die Ortsteile (Berghäuser)  Gangelberg, Jackelberg, Oberbergen, Punitzberg, Ruisenberg,

Windischberg, Beim Meierhof, Pagelberg, Rinngraben, Wieslerhäuser, Fabianische Häuser und Sauerberg.

Seit dem 19.Jahrhundert und dann besonders im 20. Jahrhundert haben sich die sprachlichen Verhältnisse in der Gemeinde und deren Ortsteile stark verändert. Waren die meisten Ortsteile mit Ausnahme von Tobaj und Dt. Tschantschendorf überwiegend kroatischsprachig, sind sie heute nahezu vollständig eingedeutscht. Hasendorf war noch um 1900 zu 91,3 % und 1910 zu 100 % kroatisch, 1923 nur mehr zu 68,1 %, 1934 zu 23,9 % kroatischsprachig. In der Nachkriegszeit verschwand der kroatische Anteil vollständig. Ähnlich verlief die Entwicklung in Kroatisch Tschantschendorf. 1934 noch zu 93,6 % kroatisch, sank in der Nachkriegszeit auf 0 % und stieg dann bis 1981 wieder auf 20,2 %. 2001 bekannte sich kein Einwohner mehr zur kroatischen Muttersprache. In Punitz überwogen um 1880 bereits die Deutschsprachigen mit 61,5 %. 1910 betrug der Anteil der Kroaten 6,5 % und ist seither vollständig verschwunden. In Tudersdorf überwogen bis Ende des 19. Jahrhunderts noch die Kroaten, 1910 waren es nur mehr 7,1 %. 1934 bekannte sich nur ein Einwohner als Kroate.

Die heutige Gesamtgemeinde hatte im Jahre 1900 mit 2678 Einwohnern einen Höchststand erreicht. Seither sank die Einwohnerzahl kontinuierlich, auf 1386 im Jahre 2001. Erst in den letzten Jahren gelang eine Stabilisierung auf 1351 im Jahre 2022. Die früher dominante Landwirtschaft hat auch in Tobaj stark an Bedeutung verloren. Von den 109 landwirtschaftlichen Betrieben sind nur mehr in allen Ortsteilen zusammen nur mehr 17 Haupterwerbsbetriebe. Von den 654 Erwerbstätigen waren 2021 515 Auspendler und zumeist in Dienstleidtungsberufen tätig.

Politisch dominiert in der Gesamtgemeinde die ÖVP mit 11 bis 14 Mandaten, die SPÖ kam in den Wahlen der letzten Jahrzehnte auf 4 bis 6 Mandate. Die FPÖ erreichte 2017 4 Mandate. Bürgermeister war von 2002 bis 2017 Manfred Kertelics, seit 2017 Helmut Kopeszki (beide ÖVP).

 

Ortsteil Tobaj

  • 1391 Thobay
  • 1428 Thobayd
  • 1475 Thobay
  • 1639 Zobaij
  • 1697 Tobayi seu Tobersdorff.

Herkunft und Bedeutung des Ortsnamens sind unbekannt. Er könnte auf einen slawischen oder ungarischen Personennamen zurückgehen oder von slawisch dob, dub = Eiche abzuleiten sein. Das Dorf, das sich aus dem Ortskern und Streusiedlungen (Jackelberg, Sauberg) zusammen setzt, gehörte zur Herrschaft Güssing der Batthyany. Die Streusiedlungen entstanden aus den Berghäusern im früher beträchtlichen Weingebirge. 1693 gab es neben zwei Freien halbe und Viertelsessionen. Auf der Tobayer Mühle saß die adelige Familie Fransics.. 1734 besaß die adelige Christine Szápáry ein Lehensgut, das Ludwig Batthyany 1741 um 5000 Gulden auslöste. Die Einwohner waren überwiegend deutsche Bauern. 1882 warwn die Häuser noch überwiegend strohgedeckt, aus Holz oder mit gesatzten Mauern. Demensprechend häufig waren Brände.1927 verkaufte Paul Draskovich  im Kuhwald 200 Joch Baugrund an des Dorf.

1757 hatte das Dorf 280 Einwohner, 1792 370 Katholiken und 23 Evangelische, 1832 454 Katholiken  und 39 Evangelische, 1886 528 Katholiken und 33 Evangelische. 1928 wurden 513 Einwohner gezählt. Bis in die Gegenwart sank die Einwonerzahl auf unter 300. Die Auswanderung nach Amerika war besonders stark.

Kirchlich gehörte Tobaj zur Güssinger Pfarre. 1788 lösten sich Tobaj mit Deutsch Tschantschendorf von der Güssinger Pfarre und wurden 1789 eine eigene Pfarre. 1874 schloss sich Tobaj wieder der Güssinger Pfarre an. Eine Schule bestand in Deutsch Tschantschendorf, die von beiden Dörfern gemeinsam unterhalten wurde. 1829 ist in Tobaj eine eigene Schule belegt.

 

Ortsteil Hasendorf

Hasendorf war ursprünglich eine rein kroatische Gemeinde. 1530 übertrug Franz Batthyany als Güssinger Grundherr dem kroatischen Adeligen Simon Zaychich das Dorf. Dieser siedelte kroatische Bauern an. Der Ort wurde Zajce Selo, also das Dorf des Zaic, genannt. Die deutsche und ungarische Bezeichnung ist von einer missverstandenen Übersetzung des Ortsnamens (zajac=Hase)  abzuleiten. In den Urbaren von Güssing scheint Hasendorf erst 1643 auf. Damals waren 5 von 8 Ansässigkeiten an Stefan Szily, der Rest an Adam Vincze verpfändet. 1691 war das ganze Dorf an Sigmund Francsics verpfändet.  

1745 hatte das Dorf 53 Einwohner, 1749 54, 1812 115 und 1840 95 Einwohner. 1928 wurde 138 Einwohner gezählt. 2022 wurden 93 Einwohner gezählt. 1910 bekannten sich alle 157 Einwohner zur kroatichen Muttersprache, 1923 nur mehr 94 von 138 Einwohnern.

Kirchlich war Hasendorf eine Filiale von Tobaj und damit bis 1788 eine Filiale von Güssing. Später gehörten Tobai und Hasendorf  zur Pfarre St. Nikolaus. Der Pfarrsitz wurde nach Großmürbisch verlegt. 1946 wurde Tobaj eine selbständige Expositur. Bei der dortigen Kirche wurden die Hasendorfer begraben.  1812 hatte das Dorf schon einen eigenen Friedhof, eine Glocke und einen „Läuter“, der vermutlich auch die Kinder unterrichtete. Die Hasendorfer weigerten sich nun, zur Schule in St. Nikolaus beizutragen. Auf Hasendorfer Gebiet gab es im 18. Jh. eine Kapelle und eine Einsiedelei. Zum Unterhalt der Einsiedler trug die Herrschaft bei. Im 19. Jahrhundert verfiel die Einsiedelei.

 

Ortsteil Punitz

Die ursprünglich kroatische Streusiedlung ist mit 296 Einwohnern einer der größeren Ortsteile von Tobaj. Punitz ist eine kroatische Neugründung des 16. Jahrhunderts. 1553 wird der Ort erstmals urkundlich erwähnt, als Ponicz. (1651: Ponicz, 1697 Punicz, 1863 Ponitz ) Der Ortsname ist wahrscheinlich vom Personennamen Ponycyth (Poncic) abzuleiten, der im Urbar 1576 vorkommt. Eine andere Ableitung geht von „podni“ – an der Unterseite, im Tal – aus. 1583 heißt es im Steuerausweis: „Ponytz, das Eigntum des Herrn Batthyany, ist in denzwei letzten Jahren von geflüchteten Bauern erbaut worden. Es wird von 15 Ansässigen bewohnt“. Die Bewohner werden als Slawen bezeichnet und bekommen die üblichen 12 steuerfreien Jahre. 1588 besaß Balthasar Batthyany in Punitz 7 Gehöfte, 15 Inwohnerfamilien, 4 Arme, 4 Diener, 1 Freien, 1 Vogelfänger und 1 Hirten. Als Folge der Pest standen 26 Häuser leer. 1599 besaß die Herrschaft in Punitz 32 Häuser, 1600 nur mehr 14. Der Bocskai-Aufstand brachte schwere Verwüstungen mit sich. In der Güterteilung von 1662 erhielt Paul Batthyany den Meierhof mit Schafen und Rindern.  Das Dorf hatte auch ein Weingebirge. 1689 überließ Adam Batthyany um 1000 Taler dem Adeligen Alexander Niczky die herrschaftlichen Rechte.

1745 wurden 182 Seelen gezählt, 1812 300, 1832 519, 1857 493, 1886 450 und 1928 etwa 600.  Ein beträchtlicher Teil der Punitzer Bevölkerung wanderte nach Amerika aus.

Kirchlich war Punitz eine Filiale von St. Nikolaus, hatte jedoch schon vor 1677 eine eigene Kirche, eine hölzerne Kirche mit Glockenturm. 1741 ließ Emmerich Batthyany eine neue Kirche errichten und 1753 ein Pfarrhaus bauen. Es diente im 19. Jahrhundert als Gemeindeschankhaus und wurde 1886 abgerissen.1859 brannte die Kirche ab, wurde aber wieder hergestellt. 1921 wurde die Kirche mit Spenden von Amerikaauswanderern renoviert. Im 17. Und 18. Jahrhundert hatte Punitz keine Schule, aber einen „Läuter“, der vermutlich auch die Kinder unterrichtete. 1806 wird ein Lehrer genannt. In der zweiten Hälfte des 10. Jahrhunderts waren Deutsch und Kroatisch die Unterrichtssprache.

 

Ortsteile Deutsch und Kroatisch Tschantschendorf, Tudersdorf

Im Mittelalter bestand auf dem Gebiet des späteren Dt. Tschanschendorf eine Siedlung, die 1359 als Posessio Chench genannt wird. Der Ortsname ist wahrscheinlich vom altslawischen Personennamen Ce(n)ca abzuleiten. Das Dorf war im Besitz von Kleinadelsfamilien,die sich nach dem Ort Csenci nannten. 1467 waren Johann und Michel Farkas von Csenci Besitzer, 1469 hatten Johann Nemeth von Csenci  und Michael Farkas von Csenci das Gut Gödör (Inzenhof)  gekauft.  Noch im 16. Jahrhundert besaßen die Kleinadeligen den Großteil des Dorfes. Einen Teil des Dorfes besaßen aber bereits die Batthyany. 1538 hatte Franz Batthyany 2 Sessionen und 1 pauper, Wolfgang Csenci 4 Sessioen und 11 pauperes. 1548 besaßen Andreas Csenci und Franz Hispan das Dorf. 1620 konnte Franz Batthyany vom Palatin eine Schenkungsurkunde erwirken, die ihm für den Fall des erbenlosen Todes des Ladislaus Csenci das Dorf versprach. Dazu kam es dann noch 1620. 1631 verkaufte Jakob Csenci seinen Anteil an Eva Poppel – Batthyany. Weitere Ansprüche wurden abgelöst. 1636 gaben die Batthyany den Ort der Familie Kaldi als Pfand. Deutsch Tschanschendorf war ganz überwiegend von deutschen Bauern besiedelt.

Im 16. Jahrhundert wurde das Gebiet für die kroatischen Zusiedlungen von Tschantschendorf und Tudersdorf aus dem Ortsgebiet von Deutsch Tschantschendorf herausgeschnitten. Kroatisch Tschantschendorf wurde ungarisch Radovan Csencs oder Horvath Csencs genannt, Tudersdorf Tarodscencs. 1582 hieß es, dass die Bewohner auf adeligem Hofgrund sitzen und „größtenteils noch der kroatischen Sprache ergeben sind“. 1910 bekannten sich 228 von 241, 1923 206 von 216 Einwohnern zur kroatischen Volksgruppe-

Das Herrschaftsgut in Deutsch Tschantschendorf in der Größe von etwa 500 Joch erbte nach dem Tod von Philipp Batthyany 1869 Fürstin Julia Montenuovo, geb. Batthyany, 1979 Alfred Montenuovo, der es 1892 der Gräfin Theodora Kottulinsky, geb. Mayr Mellnhof verkaufte. 1910 kam es an die Budapester Parcellierungsbank, die die Grundstücke 1914 bis 1916 an die Bauern verkaufte.

Kirchlich war Kroat. Tschantschendorf eine Filiale der 1788 errichteten Pfarre Deutsch Tschantschendorf . 1807 wurde die dortige Pfarrkirche errichtet.

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Quellen

  • Homma, Josef Karl: Das Güssinger Land. In: Volk und Heimat 1956. In Fortsetzungen ab Heft Nr.12