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  • 1393 utraque Lewe
  • 1615 Also Sycz
  • 1674 Inferior Szicz
  • 1697 Untersicz seu Alsó Sicz
  • 1757 Unterschützen, Unterschitz
  • 1785 Alsó Lövö
  • 1863 Alsó-Lö, Unter-Schitz
  • 1907 Alsolövö

1971 mit Oberschützen, Aschau Willersdorf und Schmiedrait zur Gemeinde Oberschützen zusammen geschlossen.

So wie Oberschützen, zu dessen Pfarre Unterschützen immer gehörte, war auch Unterschützen eine Grenzwächtersiedlung 1271 bestellte König Stephan V. die Bewohner von Unterschützen sogar zu Burgwächtern. Nach dem Anschluss an die Güssinger bestrafte König Ladislaus VI. die Schützen 1274:

„wir schließen dieselbigen Bogenschützen von unserer königlichen Huld und Gnade  wegen des Beweises einer solchen Untreue endgültig aus und entziehen ihnen zur immerwährenden Schande ihre Äcker … Wälder, Wiesen, Haine und alle anderen Rechte, die sie vor ihrer Untreue im Komitat Risenburg innehatten.“

An ihre Stelle traten deutsche Siedler. Einige häufige Familiennamen lassen jodoch darauf schließen, dass auch weiterhin Magyaren in Unterschützen wohnten.

Nach Aussterben der Bernsteiner Linie der Güssinger Grafen gelangten Burg und Herrschaft an den König. Sigismund verpfändete und schenkte später die Herrschaft den Kaniszay. 1445 besetzte Kaiser Friedrich III. auch Bernstein. Diese blieb mit der Unterbrechung unter Corvinus 1480 bis 1490 unter österreichischer Verwaltung, Kaiserliche Verwalter waren unter anderen der Söldnerführer Walter Zebinger, Konrad Zinkendorf und Siegmund Prüsching. 1491 gelangte Bernstein wieder im Frieden von Preßburg als landesfürstliches Krongut wieder an Friedrich III.

1493 kam die Herrschaft als Pfand an den niederösterreichischen Adeligen Georg Königsberg. Die Königsberg waren Anhänger der Reformation. Schon 1541 richtete Ehrenreich von Königsberg zusammen mit Johann Weißpriach  und anderen ein Gesuch um Gleubensfreiheit an Kaiser Ferdinand I. In Oberschützen – zu der Pfarre gehörte damals noch Unterschützen – wirkte Alexius Püchler, ein Flacianer, von 1565 bis 1580  als evangelischer Pfarrer.

1569 wurde ein erstes Urbar angelegt. Es gab 37 ganze und 6 halbe Höfe und eine Mühle sowie 3 Hofstättler. Vor allem die sehr hohe Anzahl an ganzen Höfen ist auffallend. Die Einwohner trugen haptsächlich deutsche Namen, aber auch solche vermutlich ungarischer Herkunft, wie etwa Portsche-Portschy, Pongrac,Benedikt-Benedek, Nico-Nika. Die Abgaben waren mäßig, die Robot wurde „so oft und was man ihnen anschafft, zu robaten schuldig“ geleistet werden".

Unter Ludwig von Königsberg war die Herrschaft Bernstein ein Zentrum des Protestantismus. 1598 bis 1625 nahm er zahlreiche Glaubensflüchtlinge aus der Steiermatk auf. 1620 wurde das Bad in Tatzmannsdorf, das zur Herrschaft gehörte, von der evangelischen Geistlichkeit feierlich eingeweiht. In Ober-und Unterschützen scheint es auch noch in den 1580er Jahren Pfarrer gegeben zu haben. 1625 unterzeichnete ein Johann Jakob Rumpold im Protokoll einer reformierten Synode als „pastor in Siccen in bonis domini magnifici a Kinüpert“. 1628 schloss Ehrenreich Christph von Königsberg mit den Gemeinden Ober- und Unterschützen einen Vertrag, der die Robotleistungen und die Ablöse des bischöflichen Zehent in Geld beinhaltete.

1636 kaufte Ehrenreich Christoph die Herrschaft um 78 599 Gulden von der Hofkammer. Aber schon 1644 musste er sie an Adam Batthyány weiterverkaufen. Dies war auch für Unterschützen ein einschneidendes Ereignis. Batthyány musste sich zwar verpflichten, die bisherigen Abgaben und Leistungen beizubehalten und ihre bisherigen Freiheiten zu beachten. Bald zeigte es sich aber, dass dieser keineswegs gewillt war, die Zusagen vor allem in Bekenntnisnagelegenheiten einzuhalten. Adam Batthyány ließ ein neues Urbar aufstellen. In Unterschützen wurden nur mehr 27 ganze, aber 26 halbe Höfe gezählt, dazu 19 Söllner. Die Abgaben wurden erheblich erhöht.

Nach 1629 war evangelischer Gottesdienst nur mehr in Tatzmannsdorf möglich, in der Scheune des Adeligen Johann Dési. Pfarrer war dort seit 1644 der Schlesier Peter Hempel. 1661 war er schon sehr alt und gebrechlich und musste sich den kargen Lohn mit einem „Adjunkt“ Tobias Beringer teilen. 1661 wurde die Scheune des Matthias Buzay gepachtet, Kantor war der Lehrer Stefan Büchler aus Oberschützen. Später bauten die Bergleute eine Kirche in Sulzriegel, die ihnen 1673 weggenommen wurde.

In der Herrschaftsteilung fiel mit Pinkafeld auch Unterschützen an Sigismund Batthyány. Oberschützen kam an Adam II. Batthyány. Mit Sigismund begannen in Unterschützen große Probleme. Er ließ einen Meierhof bauen und erzwang hohe Robotleistungen. Um 1690 lagen 26 Höfe öde. Sigismund zog die Sessionen ein und bewirtschaftete sie als Allodialgut. Er behauptete, die Höfe wären wegen eines Aufstandes der Bauern und interner Kämpfe verödet. Tatsächlich waren sie aber wohl eine Folge der Türkenkriege, von Verarmund durch Einquartierungen und hohen Abgaben. Die Unterschützer wehrten sich, beklagten sich beim Komitat und appellierten an die königliche Tafel. Sie wurden abgewiesen und ihnen „ewiges Stillschweigen“ auferlegt. Zum Widerstand aus wirtschaftlichen Gründen kam natürlich auch, dass die Einwohner weiterhin überzeugte Protestanten blieben. 1701 hatte Sigismund seinen „abtrünnigen“, also evangelischen Untertanen das Auslaufen zu evangelischen Predigern verboten und bestrafte dieses mit 12 Gulden.

Als sich auch die Pinkafelder gegen die Unterdrückung wehrten und ihre Klage sogar vor den Kaiser brachten schlossen sich auch die Unterschützer an. Eine Kommission wurde eingesetzt. Bei den Verhandlungen im September 1701 waren auch Vertreter aus Unterschützen anwesend und legten eine lange Liste von Übergriffen Batthyánys vor, etwa die erneute Einhebung des Zehents in natura, hohe Robotforderungen, zahlreiche „lange Fuhren“ und sogar Übergriffe Batthyánys auf das Waisengut wurde Batthyány vorgeworfen. Sigismund wehrte sich, machte die bereits erfolgten Ureile geltend und machte die Bauern für die Nichtbesetzung der öden Höfe verantwortlich. Die Kommission entschied gegen den Grafen. Die öden Höfe sollten zurückgegeben werden, die Robot nach dem Kontrakt von 1628 mit den Königsbergern bemessen werden. Alle enteigneten Güter sollten zurückgegeben, die Bauern entschädigt werden. Zu einer Bestätigung dieser Vorschläge durch den Kaiser kam es aber nicht. Der 1704 ausgebrochene Kuruzzenaufstand verhinderte ein Vorgehen gegen Batthyány. Die Dörfer wurden von den Kuruzzen geplündert, hatten aber auch unter den Einfällen der Steirer zu leiden. Die Erkenntnisse der Kommission von 1702 wurden erst 1716 von Karl VI. bestätigt, aber nur hinsichtlich der Privilegien der Pikafelder. In Unterschützen änderte sich nichts.

Die wirtschaftliche Situation muss nach den Kuruzzenkriegen triste gewesen sein. 1713 etwa führte Gräfin Eleonore Batthyany – Strattmann Exekutionen gegen Unterschützer Bauern durch, die mit ihren Abgaben im Rückstand waren. 1720/21 Gab es 47 Bauern, davon 41 Deutsche und 5 Ungarn. Unterschützen kam zu Schlaining und dann zur neu gebildeten Herrschaft Jormannsdorf. Der Widerstand gegen die Herrschaft hielt an. 1761 strengte der Grundherr beim Herrenstuhl in Jormannsdorf einen Prozess gegen die „widerspenstigen und ungehorsamen“ Bauern von Unterschützen an. Wahrscheinlich ging es wieder um eingezogene Höfe. 165 erhoben die Unterschützer Klage am Hofe Maria Theresias. Da ein Aufstand drohte verlangte die Kaiserin über die ungarische Statthalterei eine Untersuchung durch das Komitat. Das Maria Theresianische Urbar brachte dann anscheinend Beruhigung, da die Robotdienste begrenzt wurden. Im Urbar wurden 54 Bauern aufgezählt – eine Siebenachtelansässigkeit, eine Fünfachtel-, 30 halbe, 25 Dreiachtel-, 4 Viertel- und 3 Achtelansässigkeiten. Es gab 2 behauste Söllner und 3 Inwohner. Die häufigsten Familiennamen waren Brunner, Simon, Portschy, Nicka, Benedikt, Weber, Hatz, Unger und Ratz, dazu Grabenhofer, Neubauer, Zetter und Kaippel.

Nach einer Neuvermessung der Grundstücke stellte sich heraus, dass die Ansässigkeiten wesentlich größer waren. Die Unterschützer klagten wieder gegen die Herrschaft. 1771 rissen sie die Einfriedungen der Herrschaftsgründe weg. Ihre Klagen wurden als unbegründet zurückgewiesen. 1776 wurden sie erneut abgewiesen, die Gemeindevertreter wegen der unbegründeten Klagen getadelt. 1777 entschied eine Komitatskommission wieder gegen die Bauern.

Eine neue Zeit brach mit dem Toleranzedikt von 1781 an. Ober- und Unterschützen bildeten eine evangelische Kirchengemeinde und bauten ein Toleranzbethaus und eine eigene Schule. 1802 gab es im Dorf 462 Evangelische und nur 30 Katholiken. 1833 bestanden 82 Häuser und 527 meist evangelische Einwohner, 1842 lebten im Dorf 545 Evangelische, 60 Katholiken und 4 Reformierte.

Die Gemeinde führte 1823 einen Prozess um den Besitz des Tschabwaldes. Josef Emanuel Batthyány gab der Gemeinde dafür einen Kredit von 1900 Gulden,der erst 1837 getilgt wurde. 1637 wurde ein neuer Prozess beim Herrenstuhl angestrengt. Es ging um Grundstücke, Gemeindegrund, hauptsächlich Wald, die 1772 sich der Grundherr angeeignet hatte. Der Grundherr antwortete mit einer Gegenklage gegen die aufsässigen Bauern und verlangte neuerlich eine Ausmessung der Grundstücke. 1840 wurden die Bauern auf den Besitzregulierungsprozess verwiesen. Die neuerlichen Streitigkeiten wurden wahrscheinlich auch durch den Freikauf Oberschützens angefacht. 1851 wurde der Prozess wieder aufgenommen. Es ging vor allem um die umfangreichen Rodungsgründe und um die Aufteilung der Weide. Diese Streitigkeiten daurten noch über Jahrzehnte. Der Prozess wurde beim Urbarialgericht Steinamanger 1865 fortgesetzt. Die Herrschaft verlangte die Rückgabe der Rodungsgründe und wollte pro ganzer Session nur 6 Joch Weide und 8 Joch Wald zugestehen. Die Bauern forderten einen Weideanteil von 22 Joch, von den Rodungsgründen waren sie bereit, der Herrschaft die Hälfte zu überlassen (gegen Arbeitsentschädigung). 1866 erging ein Urteil. Das Rodungsland von über 250 Joch konnte um 29 Gulden 40 Kreuzer pro Joch abgelöst werden. Eine ganze Session erhielt 8 Joch Weide und 8 Joch Wald. In diesem Jahr 1866 gab es 63 Bauern. 5 hatten eineinhalb-oder größere Ansässigkeiten, 11 eine siebenachtel, 18 eine Sechsachtel, 13 eine Fünfachtel-, 6 eine Vierachtel, 7 eine Dreiachtel und 3 eine Zweiachtelansässigkeit.

Nach einer Berufung der Gemeinde wurde 1867 gerichtlich verfügt: Pro Session sollten 10 Joch Weide zugeteilt werden. Nach dem Teilungsplan hätte die Grundherrschaft ihre Besitzungen in der Mitte des Hotters und auf den besten Gründen erhalten, Beide Seiten fochten das Urteil an und ein neuer Teilungsplan verlangt. Erst 1869 wurde der Streit entschieden. Um die weitere Aufteilung von Weide und Wald wurde innerhalb der Gemeinde gestritten. 1873 wurden Äcker und Wiesen neu vermessen und zugeteilt. 1880 wurden auch die Weiden aufgeteilt.

Die Bevölkerungsentwicklung verlief so wie in anderen Gemeinden der Region: 1863: 752 Einwohner; 1864  700 Evangelische und 40 Katholiken; 1896: 702; 1900: 691; 1910: 697 Einwohner. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts machte sich die Auswanderung im Gefolge der schlechten wirtschaftlichen Situation bemerkbar. 1923 betrug die Einwohnerzahl  717 und stieg bis 1934 auf 761. Dieser Zuwachs war vor allem aauf die rasch wachsende Zahl der Zigeuner zurückzuführen. 1934 lebten 150 Zigeuner in Unterschützen. 1951 lebten 557 Personen im Ort, davon 440 Evangelische und 117 Katholiken.

Die wirtschaftliche und soziale Entwicklung war im 19. Jahrhundert und in der Zwischenkriegszeit weiterhin von der Landwirtschaft bestimmt. Viele Betriebe waren zu klein, um ein ausreichendes Einkommen zu sichern. Es gab nur wenige Gewerbebetriebe. Anders als in vielen Nachbargemeinden spielte aber die Viehzucht, die Pferdehaltung etwa, und damit verbunden das Transportwesen eine wichtige Rolle. Unterschützer waren auch im Handel tätig.

Die politische Entwicklung war wie in vielen evangelischen Gemeinden vom Landbund bestimmt. Mit Gottlieb Grabenhofer kam auch ein prominenter Landbund – Politiker aus dem Dorf. Er war Nationalratsabgeordneter und Landesrat. 1934 stellte er sich der Vaterländischen Front zur Verfügung und war Abgeordneter im ständischen Landtag. Er geriet damit in Gegensatz zur Mehrheit der Bevölkerung, die sich zunehmend dem Nationalsozialismus zuwandte. Aus Unterschützen kamen einige der prominentesten burgenländischen Nationalsozialisten, Gauleiter Dr. Tobias Portschy und der Kreisleiter Eduard Nicka.

Eine Schule bestand in Unterschützen schon vor 1826. 1856 – 1877 war Bernhard Aikelin Lehrer. 1859 wurde der Grundstein für eine eigene Kirche gelegt, 1860 der Turm vollendet.1861 weihte Superintendent Matthäus Hauser die Kirche.Ab 1863 war Unterschützen eine selbständige Pfarre. Erster Pfarrer war bis 1904 Eduard Schmidag, dann folgte bis 1949 Adalbert Seregély.

 
ortslage

 

Quellen

  • Loibersbeck Josef: Unterschützen. In: Volk und Heimat 1956